RegelmĂ€Ăige körperliche AktivitĂ€t gehört zu den effektivsten MaĂnahmen zur Förderung der kardiovaskulĂ€ren Gesundheit. Schon moderate Bewegung wirkt sich nachweislich positiv auf Blutdruck sowie GefĂ€Ăfunktion aus und kann so die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern oder verzögern.
Unsere BlutgefĂ€Ăe sind hochaktive Organe. Ihre Innenauskleidung â das sogenannte Endothel â reguliert GefĂ€Ăweite, Blutdruck, Gerinnung und EntzĂŒndungsprozesse ĂŒber fein abgestimmte Signalwege. Zentral ist dabei die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO)[VU1.1], das GefĂ€Ăe erweitert, die Durchblutung verbessert und GefĂ€ĂentzĂŒndungen hemmt.Â
Eine intakte Endothelfunktion gilt in der aktuellen Forschung als SchlĂŒsselmarker fĂŒr kardiovaskulĂ€re Gesundheit â und sie lĂ€sst sich gezielt durch Lebensstilfaktoren beeinflussen. Neben der ErnĂ€hrung[VU2.1][PH2.2] wirkt sich besonders Bewegung wie ein biologischer Stimulus auf die GefĂ€Ăinnenwand aus. Denn wenn wir uns bewegen, flieĂt mehr Blut durch die Arterien. Dieser erhöhte Blutfluss âmassiertâ die GefĂ€Ăinnenwand und regt sie an, mehr Stickstoffmonoxid (NO) zu bilden.
Wie viel Bewegung ist realistisch und wirksam?
Der Alltag vieler BerufstĂ€tiger ist eng getaktet: Der Job verlangt alles von einem ab, die To-do-Liste wĂ€chst stetig, und die wenigen freien Minuten möchte man mit der Familie genieĂen. Mehr Bewegung steht zwar jedes Jahr wieder auf der Vorsatzliste â doch die Erwartungen an sich selbst sind oft so hoch, dass der erste Schritt ausbleibt.
Schon 11 Minuten tÀglich machen einen Unterschied!
Dabei betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindeutig, dass schon geringe körperliche AktivitĂ€t besser ist als gar keine und gesundheitliche Vorteile bringt.Âč Laut einer umfangreichen Studie der UniversitĂ€t Cambridge können schon elf Minuten gemĂ€Ăigte Bewegung tĂ€glich, wie etwa Spazierengehen, das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, SchlaganfĂ€lle und Krebs senken. Die Ergebnisse basieren auf einer Analyse von mehr als 30 Millionen Personen aus 196 Studien.ÂČ FĂŒr deutliche Effekte empfiehlt es sich natĂŒrlich, lĂ€ngere Bewegungsphasen kontinuierlich in den Alltag zu integrieren.Â
Walken etwa, also zĂŒgiges Gehen, senkt den oberen Blutdruckwert um etwa 5 mmHg und den unteren Wert um etwa 7 mmHg. Zur Einordnung: Eine Senkung um 9 mmHg (oberer Wert/systolisch) und 6 mmHg (unterer Wert/diastolisch) gilt medizinisch als deutlich und klinisch relevant. Doch schon 5 mmHg weniger (systolisch) können das Schlaganfallrisiko um etwa 10â15 % senken. Und eine Senkung um 8â10 mmHg (systolisch) entspricht ungefĂ€hr dem Effekt eines blutdrucksenkenden Medikaments in niedriger bis mittlerer Dosierung. Im beschriebenen Fall trainierten die Teilnehmenden der zitierten StudieÂł an 3 bis 5 Tagen pro Woche fĂŒr insgesamt 150 bis 180 Minuten.Â
Radfahren senkte den oberen Blutdruckwert sogar um rund 9 mmHg und den unteren Wert um etwa 6 mmHg. Die zitierte Studie⎠untersuchten das Fahren auf einem Fahrradergometer. Die Teilnehmenden radelten 3 Mal pro Woche fĂŒr jeweils 45 oder 60 Minuten.Â
Als Ausdauersport im Wasser wurden Schwimmen, Aqua Aerobic sowie Gymnastik, Krafttraining und Gehen untersucht.⎠Diese senkten den oberen Blutdruckwert deutlich um etwa 14â15 mmHg und den unteren Wert um etwa 5â8 mmHg. In den Studien ĂŒbten die Teilnehmenden den Wassersport drei bis vier Mal pro Woche fĂŒr jeweils 40 bis 60 Minuten aus.
Spazierengehen im Wald: So gesund ist die Bewegung im GrĂŒnen!Â

Besonders vorteilhaft kann es auch sein, im Wald spazieren zu gehen. Studien berichten, dass das sogenannte âWaldbadenâ (japanisch Shinrin-Yoku) mit signifikanten Reduktionen von Blutdruck und Herzfrequenz verbunden sein kann. In neueren Reviews wurden die physiologischen Reaktionen auf achtsames Spazierengehen im Wald untersucht. Darunter: sinkender systolischer Blutdruck und eine reduzierte Pulsrate als Ausdruck einer stĂ€rkeren parasympathischen AktivitĂ€t. Die ruhige Umgebung, natĂŒrliche GerĂ€usche und das GrĂŒn wirken beruhigend auf das Nervensystem und helfen dem Gehirn, aus dem âDauer-Alarmmodusâ des Alltags auszusteigen.
Ăbrigens: In seinem Ursprungsland Japan wurde das Waldbaden bereits in den 1980er-Jahren vom japanischen Forstministerium als prĂ€ventive GesundheitsmaĂnahme eingefĂŒhrt. Es wird staatlich gefördert und wissenschaftlich begleitet und gilt als evidenzbasierte Form der Stressreduktion und MaĂnahme zur Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit.â”
Ausdauertraining versus KrafttrainingÂ
Zusammengefasst kann man sagen, dass Ausdauertraining wie zĂŒgiges Gehen, Radfahren, Joggen und Schwimmen die Herz-Kreislauf-Funktion verbessert und die LeistungsfĂ€higkeit des Herz-Lungen-Systems steigert. Es reduziert langfristig sowohl systolischen als auch diastolischen Blutdruck. Und es verbessert die GefĂ€Ăfunktion.
Fazit:
Unsere GefĂ€Ăe reagieren sensibel auf unseren Lebensstil â und sie lassen sich aktiv unterstĂŒtzen. Schon kĂŒrzere, regelmĂ€Ăige Bewegungseinheiten fördern die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO), verbessern die GefĂ€Ăfunktion und entlasten Herz und Kreislauf. Dabei zĂ€hlt nicht Perfektion, sondern KontinuitĂ€t: Bereits einige Minuten moderate AktivitĂ€t pro Tag machen einen messbaren Unterschied. Ob zĂŒgiges Gehen, eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining oder ein Spaziergang im Wald â wer in Bewegung bleibt, stĂ€rkt langfristig seine GefĂ€Ăgesundheit und damit sein Herz.
Âč World Health Organization: Physical activity, https://www.who.int/initiatives/behealthy/physical-activity (aufgerufen am 16.02.2026)
ÂČ Garcia L, Pearce M, Abbas A, et al.: Non-occupational physical activity and risk of cardiovascular disease, cancer and mortality outcomes: a doseâresponse meta-analysis of large prospective studies, British Journal of Sports Medicine 2023;57:979-989.
Âł Lee L-L, Mulvaney CA, Wong YKY, Chan ES, Watson MC, Lin H-H. Walking for hypertension. COCHRANE DATABASE SYST REV 2021; 2(2):CD008823. doi: 10.1002/14651858.CD008823.pub2.
⎠Lee SH, Chae YR. Characteristics of Aerobic Exercise as Determinants of Blood Pressure Control in Hypertensive Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Korean Acad Nurs 2020; 50(6):740â56. doi: 10.4040/jkan.20169.
 ┠Ideno Y, Hayashi K, Abe Y, et al. Blood pressure-lowering effect of Shinrin-yoku (Forest bathing): a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Altern Med. 2017; https://link.springer.com/article/10.1186/s12906-017-1912-z (aufgerufen am 16.02.2026)


