Obwohl Bluthochdruck in Deutschland zu den häufigsten Krankheiten gehört, wird er oft lange nicht erkannt. Weil die sogenannte Hypertonie häufig symptomlos verläuft, kann sie im Körper unbemerkt großen Schaden an Herz, Blutgefäßen und Organen anrichten. Wie Sie Bluthochdruck erkennen und welche Schritte Sie einleiten sollten.
Mit dauerhaft erhöhtem Blutdruck ist nicht zu spaßen. Das zeigt sich nicht zuletzt in den Folgeerkrankungen. Dazu gehören nicht nur Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Gefäßschäden. Sondern im Zweifel auch Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere arterielle Verschlusskrankheiten.
Laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts (RKI) bleibt Bluthochdruck bei einem erheblichen Anteil der Personen zunächst unentdeckt und wird erst später im Verlauf diagnostiziert. Hintergrund ist meist, dass Bluthochdruck zu Beginn oft symptomlos verläuft. In der Fachsprache nennt man das eine asymptomatische (anomale) Hypertonie.¹
Warum verursacht Bluthochdruck (vorerst) oft keine Symptome?
Bei einer asymptomatischen Hypertonie treten trotz dauerhaft erhöhter Blutdruckwerte keine subjektiv wahrnehmbaren Beschwerden auf. Studien zeigen, dass auch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit keine verlässlichen Marker für eine Hypertonie sind und häufig erst bei sehr hohen oder akut ansteigenden Werten auftreten können.²
Warum wird zu hoher Blutdruck trotz Arztbesuch oft nicht erkannt?
Zudem unterliegt der Blutdruck physiologischen Schwankungen, wodurch einzelne Messungen – insbesondere in der Arztpraxis – entweder normal ausfallen oder durch den sogenannten White-Coat-Effekt (durch Nervosität in der Praxis ansteigender Blutdruck) verfälscht sein können. Da regelmäßige Blutdruckkontrollen im Alltag oft fehlen und präventive Vorsorgeuntersuchungen nicht konsequent wahrgenommen werden, bleibt die Erkrankung häufig über Jahre unerkannt.
Epidemiologische Studien belegen, dass ein erheblicher Anteil der Betroffenen erst im Rahmen von Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Ereignissen oder Organschäden diagnostiziert wird, was die Hypertonie zu einem der zentralen, aber lange still verlaufenden Risikofaktoren der kardiovaskulären Medizin macht.³

Ab wann gilt der Blutdruck als zu hoch?
Doch ab wann gilt der Blutdruck eigentlich als zu hoch? Laut der Deutschen Herzstiftung liegt eine arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) bei Blutdruckwerten von mehr als 140/90 mmHg vor.⁴
Systolisch und Diastolisch: Die zwei Werte kurz erklärt
- Systolischer Wert (oberer Wert)
– entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt
– zeigt, wie stark der Druck bei der Herzarbeit ist - Diastolischer Wert (unterer Wert)
– entsteht, wenn sich das Herz entspannt und sich wieder mit Blut füllt
– zeigt den Grunddruck in den Gefäßen zwischen zwei Herzschlägen
Beispiel: 120/80 mmHg (oft als optimaler Wert angegeben)
• 120 = systolisch
• 80 = diastolisch
Wie erkenne ich, ob mein Blutdruck zu hoch ist?
Dafür hat die WHO einen einfachen Merksatz, nach dem man sich richten sollte:
„Bluthochdruck erkennt man nicht – man misst ihn.“
Das bedeutet, der Blutdruck sollte regelmäßig gemessen werden, auch wenn man keine Beschwerden hat. Im Zweifel gilt es immer, einen Arzt aufzusuchen!
Das können Sie selbst tun: In 5 Schritten zu mehr Erkenntnis
- Regelmäßig messen
• Erwachsene sollten ihren Blutdruck immer wieder kontrollieren lassen
(zu Hause, in der Apotheke oder beim Arzt).
• Starten sollte man ab einem Alter von etwa 40 Jahren oder bei Risikofaktoren wie Übergewicht, Stress oder familiärer Vorbelastung. - Genau hinsehen und reagieren
• Ein einmal erhöhter Wert bedeutet noch nicht automatisch Bluthochdruck. Suchen Sie dennoch im Zweifel einen Arzt auf!
• Mehrere Messungen an verschiedenen Tagen geben ein zuverlässigeres Bild. - Gesund leben als Basis
Die Weltgesundheitsorganisation WHO betont einfache Maßnahmen, die viel bewirken:
• weniger Salz essen
• sich regelmäßig bewegen
• Normalgewicht anstreben
• Alkohol und Rauchen reduzieren
• Stress abbauen - Medikamente einnehmen, wenn nötig
• Reichen Lebensstiländerungen nicht aus, helfen Blutdruckmedikamente, die der Arzt verordnet.
• Wichtig: Medikamente regelmäßig einnehmen (wenn nicht vom Arzt anders verordnet), auch wenn man sich gut fühlt. - Dranbleiben und kontrollieren
• Bluthochdruck ist meist eine dauerhafte Erkrankung.
• Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind das A und O. Sie helfen, Herz, Gehirn und Nieren langfristig zu schützen!
¹ Hannelore Neuhauser, Ronny Kuhnert, Sabine Born, 12-Month prevalence of hypertension in Germany, Journal of Health Monitoring, 2017 2(1) DOI 10.17886/RKI-GBE-2017-016 Robert Koch Institut, Berlin
²Karras DJ et al. Lack of relationship between hypertension-associated symptoms and blood pressure. Am J Emerg Med.
³ Williams B et al. 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Eur Heart J.
⁴ Deutsche Herzstiftung, Neue Leitlinie Bluthochdruck (aufgerufen am 04.02.2026)



